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Karies ist so alt wie die Menschheit !

Archäologische Funde lassen vermuten, daß schon die Neandertaler unter Karies litten.


Es kam jedoch erst mit der Entstehung der Kulturvölker zur Zunahme der Karieshäufigkeit.


Der Einfluß der Ernährung auf die Karieserkrankung wird schon durch Funde der ägyptischen Grabkammern belegt. An mumifizierten Leichen aristokratischer Familien fand man Zahnstein, Karies und Eiterherde. Die Grabbeilagen Gold, Schmuck, Honig, Gebäck und Früchte lassen auf Reichtum und Art der Ernährungsgewohnheiten schließen. Das einfache Volk musste sich mit Datteln und Reis begnügen. Ob es deshalb weniger Karies hatte, ist nicht bewiesen.


Fest steht, je höher eine Kultur entwickelt war, desto mehr Menschen erkrankten an Karies. Zuckerreiche Kost wie Kuchen oder Honig begünstigte kariöse Veränderungen an der Zahnhartsubstanz. 

Theorien zur Entstehung von Karies

1. Wurmtheorie

Schuld an dieser Theorie sind Keilschrift-Texte babylonischer Tontäfelchen (ca. 3000 v.u.Z.) und Inschriften ägyptischer Papyrusrollen (ca. 1500 v.u.Z). Die babylonischen Texte berichten von einem Wurm, der im Schlamm geboren wurde und sich im Inneren des Zahnes festsetzen möchte. Die ägyptischen Texte beschreiben Beschwörungsformeln zur Bekämpfung des Wurmes.

Der Wurm als Kariesverursacher hielt sich hartnäckig.

Klosterschwester Hildegard von Bingen (1098-1179) griff zwar die Dyskrasietheorie wieder auf, war jedoch davon überzeugt, daß ein Wurm den Zahn von innen zerstören muss

1830 behauptete ein schlesischer Kreisarzt, zwei Patienten von 20 Zahnwürmern befreit zu haben, nachdem er die Zähne mit dem Magensaft eines Schweins bestrichen hatte.

2. Dyskrasietheorie (Hippokrates)

Hippokrates von Kos (ca. 460-370 v.u.Z.) entwickelte das Krankheitskonzept der Harmonie- bzw. Gleichgewichtslehre. Im gesunden Zustand liegt ein Ausgleich der Körpersäfte (eukrasie oder synkrasie) vor. Durch schlechte Beschaffenheit der Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde kann es zum Ungleichgewicht der Säfte (dyskrasie) und somit zur Krankheit (auch Karies) kommen. Diese Theorie wurde später von Galen und von Hildegard von Bingen wieder aufgegriffen.

3. Entzündungstheorie (Galen)

Der Diagnostiker Claudius Galenos aus Pergamon (129-199) führte die Lehre Hippokrates’ fort und definierte die Kardinalsäfte Blut (Sanguis), Schleim (Phlegma), gelbe (Leber) Galle (Melancholia) und schwarze Galle (Cholos). Daraus entwickelte sich später eine Charakterlehre, die einer Person aufgrund des Überwiegens einer der 4 Säfte eine Wesensart (Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker, Choleriker) zuteilen möchte.

Er vervollständigte aber auch die Entzündungslehre von Celsus. Hier werden die Entzündungszeichen Schmerz (dolor), Erwärmung (calor), Rötung (rubor) und Schwellung (tumor) beschrieben. Galen fügte die verloren gegangene Funktion (functio laesa) hinzu.

Der Arzt aus der römischen Antike unterschied an eigenen erkrankten Zähnen Entzündungen, die vom Zahnfleisch und vom Zahn selbst ausgehen: “ Ich wunderte mich, daß auch ein Zahn sich entzünden könne.” Er ging offenbar davon aus , daß die Karies durch eine Entzündung entsteht.   

4. Chemische Theorie (Paulus von Aegina)

Der “ Prophylaktiker ” Paulus von Aegina (636) erkannte den negativen Einfluß der Nahrung auf die Zähne. Er verbot, wohl in Rücksicht auf den Zuckergehalt, den Genuß trockener Feigen und sehr kalter Speisen. Außerdem empfahl er, nach jeder Mahlzeit den Mund sorgfältigst zu reinigen.

5. Chemo-parasitäre Theorie (Miller)

Die von W. D. Miller 1889 an der Universität Berlin entwickelte und bis heute anerkannte Theorie bildet die Grundlage des Verständnisses der Kariesentstehung. Er ging davon aus, daß die Säuren der Bakterien das Mineral des Zahnschmelzes herauslösen und die organische Substanz des Zahnes zerstören. Seine bakteriologische und experimentelle Forschung bildet die wissenschaftliche Basis der Theorie der Kariesentstehung.

Ursachen

1963 wurde von Keyes und Jordan ein Diagramm mit 3 sich überschneidenden Kreisen entworfen. Dieses sollte die Grundprinzipien der Kariesätiologie darstellen. 1971 fügte König dem Diagramm den Kreis der “Zeit” hinzu.

Hauptfaktoren der Kariesentstehung sind demzufolge :

  • der Wirt ( Zahn )


  • kariogene Mikroorganismen ( Plaque )


  • verwertbare Substrate ( Zucker )


  • die Zeit ( Häufigkeit )


Mittlerweile wurde das Diagramm zahlreich modifiziert und wichtige Cofaktoren wie zum Beispiel Speichel, Fluoride, soziales Umfeld, Nationalität und Gesundheitspolitik fanden ihre Einbindung.


Die Kariesentstehung ist ein aktiver Prozeß mit Phasen der Remission, Stagnation oder Progression. Eine Karies, die zur Kavitation ( Lochbildung ) geführt hat, ist restaurier- aber nicht regenerierbar.   


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